Noch vor der städtischen Beschlussfassung wendet sich Papa Schmid auch an den Münchner Hofbeamten, Jugendschriftsteller und Künstler Franz Graf von Pocci und bittet ihn um Hilfe bei seinem Projekt. Pocci bietet umgehend seine Hilfe an und wird so zum Fürsprecher und Förderer von Anbeginn. Er ist auch der „Erfinder“ des berühmten Kasperl Larifari, der von nun an „Hausherr“ des Münchner Marionettentheaters ist. Unter Poccis Feder entstehen nach und nach über 45 Kasperl-Stücke für das Haus.

Im November 1858 erhält Schmid die offizielle Bewilligung seines Vorhabens.
Nach 42 Jahren, mit 9 verschiedenen Lokalitäten, bekommt er für sein Theater endlich eine feste Bleibe:

Als Bauplatz bietet sich dafür eine Stelle an der Blumenstraße, dem aufgeschütteten, ehemaligen Stadtgraben, an. Die Stadt beauftragt den bewährten Architekten  Theodor Fischer, der das bis heute fast unveränderte Gebäude konstruiert.

Am 4. November 1900 wird dieses Theater das erste Mal für das Münchner Publikum geöffnet. Seit dem spielt es mit wachsendem Erfolg.

Franz Graf von Pocci

Babette Klinger-Schmid

1911 übergibt Schmid das Theater an seine 52-jährige Tochter Babette Klinger-Schmid, die das Theater bis zu ihrem Tod im Jahr 1930 zusammen mit dem treuen Mitarbeiter Karl Winkler leitet. Nach ihrem Tod führt Karl Winkler die Theatergeschäfte alleine fort.

Karl Winkler

Hilmar Binter

Anschließend wird Hilmar Binter neuer Direktor des Theaters, das er bis 1951 leitet. Nach seinem Tod lenkt seine Witwe die Geschicke des Hauses bis 1957. In der Ära Binter sind auch die Figuren aus der Werkstatt des Künstlers Walter Oberholzer entstanden, die u. a. heute noch im Münchner Stadtmuseum ausgestellt sind.

Walter Oberholzer

Franz Leonhard Schadt

1957 wählt die Stadt München Franz Leonhard Schadt zum neuen Direktor des Münchner Marionettentheaters. Unter Schadts Direktion entdeckt auch das Fernsehen dieses Theater, und so entstehen einige Marionettenfernsehfilme.

In den Jahren 1986 – 1988 erfährt das Marionettentheater eine umfangreiche Renovierung und Modernisierung. Minderwertige Kriegsinstandsetzungen und zuletzt der U-Bahnbau machen diese erforderlich. Das Architekturbüro Ernst Hürlimann übernimmt die Planungen dafür.

Seither zeigt sich das Theater, das unter Denkmalschutz steht, in seiner heutigen Gestalt.

Vorstellungsankündigung 1858

Der Prinzregent besucht 1902 das Marionettentheater

Im Sommer 2000 übernimmt, nach Benennung durch das Kulturreferat der LHS München, der frühere langjährige Mitarbeiter und inzwischen freiberufliche Puppenspieler, -bauer und -sprecher Siegfried Böhmke die Intendanz des Theaters. Mit seinem Start im Oktober 2000 feiert das Theater in den Anlagen an der Blumenstraße sein 100-jähriges Bestehen.

Aufbauend auf der langjährigen Tradition, ist es das Bestreben des Intendanten, Siegfried Böhmke, das Haus in der Öffentlichkeit wieder stärker präsent zu machen, nun aber auch für das gesamte Spektrum des Figurentheaters und dessen Mischformen.

Siegfried Böhmke & Anke Engelke

Technisch führt dies dazu, dass nun die ursprünglich fest installierte „Guckkasten-Bühne“ zu einem beweglichen „Proszeniums-Rahmen“ umgebaut ist und der gesamte Bühnenraum damit geöffnet werden kann. Diese Neuerung bietet wesentlich vielfältigere künstlerische Möglichkeiten als bisher.

Neben einem reichhaltigen Kinderprogramm, das jährlich erweitert wird, gilt eine besondere Pflege dem Abendprogramm.

Seit Mai 2022 trägt das Unternehmen in dem kleinen Haus an der Blumenstraße den Titel Immaterielles Kulturerbe Bayern.

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Immaterielles Kulturerbe Bayern

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